Natur gut, Chemie schlecht?

Mit dem Begriff Natur verbinden wir zumeist sanfte Heilmittel wie Kräutertees und Homöopathie. Mit Chemie dagegen werden Reizwörter wie "Chemische Keule", Antibiotika, Cortison usw. assoziiert.

Die Sympathien, so räumt Apotheker Dr. Klaus Schirmer in diesem team santé pharmcast ein, gehen eindeutig in Richtung Natur. Doch dass Natur durchwegs gut und Chemie durchwegs schlecht ist, stimmt definitiv nicht.
Ein Stoff mit schlechtem Ruf: Cortison
Tatsache ist, dass stark wirksame, potente Arzneimittel umfassend ins Gesamtsystem eingreifen und daher eine höhere Nebenwirkungsrate haben. Cortison etwa, eine körpereigene "Wundersubstanz" (entzündungshemmend, antiallergisch, abschwellend - was will man mehr?) wurde aufgrund seiner enormen Wirksamkeit früher relativ unkritisch in großem Umfang eingesetzt. Durch die häufigen Nebenwirkungen ist der Ruf des Cortisons heute bei weitem schlechter als seine Wirksamkeit!
  
Ob Chemie oder Natur: Auf die Dosis kommt es an
Gute apothekerliche Beratung zielt darauf ab, zu erkennen und abzuklären, wo welches Mittel eingesetzt werden kann - und in welcher Dosis. In akuten Fällen wie einer Lungenentzündung muss entschlossen und wirksam dosiert werden, um ein Ausufern der Erkrankung zu unterbinden. Hier ist sinnvoll, gleich das passende "Kaliber" einzusetzen. Zu niedrige Dosierung macht die Heilungschancen zunichte und löst lediglich ein Nebenproblem.

Natürliche Mittel für langfristige Therapie
Anders bei chronischen, längerfristigen oder nicht lebensbedrohlichen Krankheiten: Bei Schlafstörungen oder ähnlichem ist die Palette der naturnahen und schonenden Methoden sehr leistungsfähig, weil sie für längerfristigen Einsatz eine gut verträgliche Therapieform darstellen.
© Covermotiv: Oliver Haja / pixelio.de


DIE RICHTIGE
EINSTELLUNG

"Natur oder Chemie" ist eine Frage, mit der jeder Apotheker täglich konfrontiert wird. Womit tatsächlich therapiert wird, hängt auch davon ab, was der Patient anzunehmen bereit ist.

Eine Therapie, die vom Anwender akzeptiert wird, wird auch richtig angewendet und kann auch nur dann helfen.

Denn: Auch das beste Mittel wird unwirksam, wenn es falsch, zu selten oder in zu niedriger Dosis eingesetzt wird.