Eine österreichische Apotheken-Gruppe

I’m on Fire - Krimi von Gerhard Loibelsberger

Teil 2

Er liegt entspannt auf dem Liegesitz seines S-Klasse Benz. Una bella donna beugt über sich ihn. Wogende Brüste. Zärtliche Hände an seinem Hals. Ihr Kopf nähert sich dem seinen. Mit rauchigem Timbre flüstert sie ihm ins Ohr:

 „Stronzo … faccia da culo …“

Plötzlich drücken die Hände zu. Er schreckt aus dem Schlaf hoch. Vor sich eine bärtige Gangstervisage. Luft! Luft! Luft! Er schlägt um sich. Die Hände des Gegners an seiner Gurgel. Wie ein Schraubstock. Er reißt ein Knie hoch. Der Griff lockert sich. Faustschlag in die Pelzpappe. Endlich Luft! Beine anziehen. Den Gegner treten. Immer und immer wieder. Ein Messer blitzt auf. Tritt gegen das Messer. Gorillagesicht gegen die Windschutzscheibe treten. Pafff! Airbag explodiert. Vom Liegesitz auf die Rückbank rollen. Rückwärtige Tür aufreißen. Sich auf die Straße fallen lassen. Der Schädel dröhnt. Merda! Taumelnd aufstehen und rennen. Ins nächste Geschäft. Team Santé Activa Apotheke. Das Gorillagesicht hinter ihm. Einen Ständer „Dr. Kottas Heilkräuter“ umreißen. Verfolger stolpert. Fällt über den Ständer. Tritt in die Fresse. Einen weiteren in den Magen. Hinaus aus der Apotheke. An einer Bankfiliale vorbei. Nach links hinter das Einkaufszentrum. Eine Absperrung. Durchschlüpfen. Ein Weg am Fluss. Rennen. Kurz umblicken. Weiterrennen. Avanti! Avanti! Rauf auf eine breite Brücke. Strada statale mit Gehweg. Über den Fluss. Und geradeaus weiter. Umblicken. Autos. Autos. Autos. Ein Bahnübergang. Es blinkt rot. Ansetzen zum Spurt. Unter dem niedergehenden Schranken durch. Kurz umblicken. Kein Auto hinter ihm. Erleichterung. Hinweisschilder. Großes blaues H und dazu die Buchstaben LKH. Was ist LKH? Landeskrankenhaus? Die Kopfwunde dort versorgen lassen? Gute Idee. Nach rechts abbiegen. Weiterrennen. Un cimiterio auf der anderen Straßenseite. Bei einer Kreuzung die Straße überqueren. Un parcheggio mit vielen Autos. Seitenstechen. Umblicken. Langsamer werden. Schritttempo. Zwischen den parkenden Autos entlangschlendern. Ständig umblicken. Kein Verfolger weit und breit. Ob in einem der Autos der Schlüssel im Zündschloss steckt? Wäre ein verdammtes Glück. Die Autoreihe entlang. Niente. Alle Autos ordentlich geparkt und abgeschlossen. Sono in Austria. Keiner lässt hier die Autoschlüssel im Schloss stecken. Ende des Parkplatzes. Am Ende der Straße hohes Gebäude. Das LKH. Immer wieder umsehen. Das Gefühl, verfolgt zu werden schwindet. Aufatmen. In die Ambulanz gehen, Kopfwunde verbinden und Schmerzmittel verschreiben lassen. Auf der anderen Seite der Straße steht ein Lieferwagen. Ein Mann ladet Schachteln aus und trägt sie in ein Geschäftslokal über dessen Eingang „Team Santé Barbara Apotheke“ steht. Schon wieder eine Apotheke, schießt es ihm durch den Kopf. Plötzlich heult ein Motor auf. Bremsen quietschen. Ein schwarzer Van versperrt ihm den Weg. Aus dem Van springt der Gorilla von vorhin. Hämmert die Faust in Richtung seines Gesichts. Ducken. Faust kracht in Hauswand. Pulsrasen. Tritt in den Unterleib des Gorillas. Gegenüber steigt der Mann in den Lieferwagen. Lieferwagen wird gestartet und rollt los. Lossprinten, Beifahrertür aufreißen, hineinspringen. Fahrer macht große Augen, Lieferwagen rollt weiter.

„Avanti! Avanti!“

„Wous? Wieso …“

„Fahr weiter! Schneller, Mann! Andiamo!“

Lieferwagen beschleunigt. Blut hämmert im Schädel. Das Gorillagesicht und der Van werden im Rückspiegel kleiner. Madonna mia!

„Wous bist denn du für aner?“

Rasende Kopfschmerzen. Verschnaufen. Keine Antwort.

„Wous woar denn des? A Überfoi?“

Der Fahrer des Lieferwagens blinzelt ihn misstrauisch an.

„Das war ein Arschloch, das sind hinter mir her ist …“

„Host wous aung’stöllt?“

Augen schließen und überlegen. Soll er dem Kerl die Wahrheit erzählen? Er schüttelt den Kopf und murmelt: „Autounfall … Kopfverletzung … Wollte zur Kontrolle ins Krankenhaus …“

„Und wer woar der Waunsinnige, der dir ane einehaun woit?“

„Das war der, dem ich reingefahren bin, beim Unfall …“

„Wous?“

„Ein Verrückter …“

Schweigen. Der Lieferwagen nimmt die Auffahrt zur A1 in Richtung Graz.

„Wo fahr wir denn hin?“

„Wir? I fahr zua Team Santé Apothekn Krems …“

„Krems? Was nach Krems fahren wir?“

„Na! Nach Voitsberg und dann weiter zur Apothekn in Hausmannstätten.“

„Lieferst Du Medikamente aus?

„Bist a Blitzgneisser, göll?“

„Also fahren wir nicht nach Krems?“

„Na, noch Voitsberg. Krems hoast die Apothekn.“